RadKapellenTour Pfarrkirchen-Waldhof

Auf einer RadKapellenTour begegnen Ihnen verschiedene Kapellen. Die Kapelleninformationen und Orte, an denen die Kapellen erbaut wurden, lassen ein erstes Beziehungsgefüge bei Ihnen entstehen. Sie betrachten den Ort und die Kapelle, lassen die Kapelleninformation auf sich wirken. Ein Tour-Thema, das mit einem Kapellenakzent in Verbindung gebracht wird, verstärkt das einmalige Erleben der Tour. 

Kapellenakzent

Ein Kapellenakzent ist ein aus der vorfindbaren Kapelle entwickelter Gedanke. Dieser Gedanke wird in Zusammenhang mit dem jeweiligen Tour-Thema gebracht.
Das Tour-Thema auf der Waldhof-Max Plattner RadKapellenTour ist die persönliche von Gott geschenkte Fähigkeit einen Perspektivenwechsel einnehmen zu können. Sie erinnern sich an Situationen, in denen Sie in der Begegnung mit anderen Menschen und bei sich einen Perspektivenwechsel eingenommen und Sie die Ihnen von Gott geschenkte Gabe genutzt haben. Die Kapellenakzente stellen eine Verbindung zu Ihrer Fähigkeit des Perspektivenwechsels her. Ihr Perspektivenwechsel ist zum Segen für andere Menschen geworden.

Stationen auf der Tour

1 Pfarrkirche Waldhof Maria Himmelfahrt

Waldhof 4, 84347 Pfarrkirchen

2 Bruder-Konrad-Kapelle in Gstockert

Gstockert 6, 84347 Pfarrkirchen

3 Kapelle in Brunnöd

Brunnöd 1, 84347 Pfarrkirchen

4 Hieronymuskapelle

Gehringer Straße / Ortsteil Gehring, 84347 Pfarrkirchen

5 Kapelle in Minihof

Minihof 2, 84378 Dietersburg-Minihof

6 Waldhof-Kapelle

Waldhof, 84347 Pfarrkirchen

Waldhof-Kirche Start

Spätgotische Kirche Mariä Himmelfahrt in Waldhof. Spätgotische Anlage um 1493, Turmunterbau Ende 13. Jahrhundert, später zweimal nach Westen verlängert; mit Ausstattung (Liste der Baudenkmäler D-2-77-138-164)
Die Darstellung rechts oben im Altarraum ist beeindruckend. Gottvater mit der "Weltkugel" setzt in mir Gedanken frei, die sich so wunderbar und hoffnungsvoll beschreiben lassen: Gottvater als der Schöpfer und Erhalter der Welt. 
Auf der Kugel sehe ich ein Kreuz und unterhalb der Kugel eine Taube. Dreieinigkeit-Dreifaltigkeit oder auch Trinität genannt. So mag ich mich von der Dreieinigkeit auf der RadKapellenTour begleitet wissen.

Bruder-Konrad-Kapelle in Gstockert

Die Bruder-Konrad-Kapelle in Gstockert (Diözese Passau) wird auch "Anzinger Kapelle" genannt, nach dem Erbauer Konrad Anzinger. Er hat die Kapelle in Eigenregie erbaut. Jeder Balken und jede Verwendung der Materialien hat eine eigene Geschichte. Die Kapelle wurde am 20.9.2003 eingeweiht.

Kapellenakzent-Senfkornmenschen

Kann sein, dass Sie eine Liebhaberin, ein Liebhaber der kleinen Aufmerksamkeit sind. Kann sein, dass Sie die Konradfigur im Blick haben. Die Bruder Konradfigur erinnert mich an einen Predigtausschnitt über einen „Senfkornmenschen“.
„Gottes neue Welt gleicht einem unscheinbaren Senfkorn, das am Ende groß rauskommt. Ich möchte heute von einem Mensch erzählen, der wie ein Senfkorn ist. Lassen Sie mich ein Beispiel eines Senfkornmenschen nennen:
Johannes stammt aus Niederbayern. Großer Bauernhof im Rottal. Er ist das elfte von zwölf Kindern. Viele Kinder bedeuten viele Hände, die die Arbeit auf dem Bauernhof verrichten. So war das damals üblich. Johannes ist die Arbeit auf dem Hof gewohnt. So wie er zu Fuß aufs Feld geht, geht er auch zu Fuß zur Schule oder zur Messe, die er oft besucht. In ihm wächst der Wunsch Priester zu werden. Doch überall, wo er anfragt, wird er abgelehnt. So arbeitet er weiter als Knecht auf dem elterlichen Hof. Später findet er dann doch noch seinen Platz. Er tritt in den Orden der Kapuziner in Altötting ein und nimmt den Ordensnamen Konrad an. 41 Jahre sitzt er an der Pforte. Nicht die lange Dauer seines Pfortendienstes ist beeindruckend. Es ist die Art und Weise, wie er diesen Dienst an der Klosterpforte verrichtet. Unzählige Wallfahrer kommen mit ihren Anliegen und Bitten zu ihm. Auch Handwerksburschen und arme Altöttinger Familien kommen bettelnd zu ihm an die Pforte. Niemand von ihnen geht leer aus. Seine Frömmigkeit ist vielleicht speziell. Man muss seinen Frömmigkeitsstil nicht teilen. Aber: Was sein Glaube bewirkt hat, ist beeindruckend. Er hat kein Buch geschrieben, kein großes Bauvorhaben geleitet, keine soziale Einrichtung gegründet. Und doch: Sein Glaube war wie ein Senfkorn. Sein Leben war schlicht, seine Welt klein, sein Glaube und seine Ausstrahlung aber groß. Johannes Birndorfer, vielen als Bruder Konrad von Parzham bekannt, ist ein Senfkornmensch. (Literaturhinweis aus einer Predigt von Günter Lesinski, Priester und Kirchenrektor von Haus Werdenfels bei Regensburg im Jahre 2021)“
 
„Was sein Glaube bewirkt hat, ist beeindruckend“. Der handelnde Glaube von Bruder Konrad und die Dialogfähigkeit an der Pforte mit den Menschen, die zu ihm kamen, mag wohl für Günter Lesinski als ein Qualitätsmerkmal eines „Senfkornmenschen“ gelten.
So kann es sein, dass so ein "Senfkornmensch“ gerade diese Geschichte gelesen hat.

Kapelle in Brunnöd

Hofkapelle in Brunnöd 1. Stattlicher neugotischer Blankziegelbau mit Dachreiter, 2. Hälfte 19. Jahrhundert; mit Ausstattung (Liste der Baudenkmäler D-2-77-138-102)

Kapellenakzent-Schwellenritual

Ich bin mir dessen gewiss, dass jeder Raum ein eigenes Ritual der Begrüßung einfordert. Ein Bewusstsein für dieses Schwellenritual entwickelt zu haben, obliegt jedem Einzelnen selbst. Bewusst oder unbewusst vollziehen wir dieses Schwellenritual.
In der Kapelle von Brunnöd erhalte ich ein Angebot. Das kleine Weihwassergefäß an der Seite macht mir das Schwellenritual bewusst. Mit oder ohne Weihwasser erinnere ich mich daran und bekreuzige mich. Als symbolischer Akt meiner Zugehörigkeit und Tauferinnerung vollziehe ich mein Ritual. Das kleine Gefäß hat mir wieder gezeigt, dass ein Raum für die Zeit meines Verweilens zu Recht den Anspruch einer Ehrerbietung verdient. Ein Zimmer, ein Museum, ein offizielles Gebäude oder eine Kapelle bietet mir Raum für mein Ansinnen.
Mögen auch Sie für sich ein Schwellenritual für den je eigenen Raum entwickeln, der von Ihnen raumerfüllt betreten wird.

Wegkapelle am Ortsrand von Pfarrkirchen, Gehringer Str.

Die Hieronymuskapelle, die ursprünglich im Pfarrkirchner Ortsteil Reichenberg stand, blickt auf eine bewegte Geschichte zurück. Als im Jahr 1979 der dortige Kapellenweg im Zuge von Straßenbaumaßnahmen ausgebaut wurde, musste die kleine, der Stadt Pfarrkirchen gehörende und vom Trachtenverein liebevoll betreute Kapelle weichen. Um den Erhalt des historischen Bauwerks sicherzustellen, initiierte der damalige Vorsitzende des Trachtenvereins, Rudolf Weidinger, die Suche nach einem neuen Standort. Auf dem Griesberg fand man schließlich einen würdigen Platz. 
Mit großem Engagement übernahm der Trachtenverein den Wiederaufbau der Kapelle in Eigenleistung. Die Stadt Pfarrkirchen unterstützte das Vorhaben mit einem Zuschuss von 10.000 D-Mark, der u.a. das Startkapital für die inzwischen sehr erfolgreiche Trachtenblaskapelle war.
So steht die Hieronymuskapelle am Griesberg bis heute nicht nur als religiöses Kleinod, sondern auch als Symbol für gelebtes Brauchtum und kulturelle Verbundenheit. Besonders deutlich wird dies in der traditionellen Maiandacht, die am Griesberg vom Trachtenverein Pfarrkirchen alljährlichen organisiert wird. Sie gilt als fest verankerter Termin im Vereinskalender und ist für die Mitglieder eine gern besuchte Veranstaltung, bei der Gemeinschaft und Tradition erlebbar werden.
trachtenverein-pfarrkirchen.de

Kapellenakzent-Segen

Friedensgestus in der Vergrößerung des Marienbildes als ein klarer symbolischer Standpunkt: Frieden- und Segensgestus an den Betrachter, an die Betrachterin.
Einen inneren Standpunkt einnehmen ist hier für mich der tragende Grund. 
Sie erinnern sich an Situationen, in denen Sie in der Begegnung mit anderen Menschen und bei sich einen inneren Standpunkt eingenommen und Sie die Ihnen von Gott geschenkte Gabe genutzt haben. Durch diesen Friedens- und Segensgestus werden Sie an eine innere Standpunktqualität bei sich erinnert.
So versuche ich die ausgewählte Handhaltung auf dem Bildausschnitt einzunehmen. Angeregt von solch einem symbolischen Friedens- und Segensgestus, bin ich auf der Suche nach einer sensiblen Form für eine der nächsten Begegnungen. Ich will sehr feinfühlig meinen inneren Begegnungsstandpunkt dem anderen kundtun.
Ein klarer Blick, ein zur Seite leicht geneigter Kopf, eine sprachliche Form für „Frieden und Segen sei mit dir“, ein Grüß Gott, kann so zum Tragen kommen. Etwas, das ich dem Nächsten in der Begegnung anbieten mag. Der Perspektivenwechsel hat eine Chance.
Frieden und Segen sei mit Dir. 

Kapelle in Minihof

Die Marienkapelle wurde 2025 gesegnet. Familie Waldhör hat die Holzkapelle mit großem handwerklichem Geschick aus Dankbarkeit erbaut. Sie birgt viele Bilder und Figuren aus dem Familienbesitz. Wo früher ein Bildstock stand, der bei einem Sturm verwüstet wurde, entstand diese "Glaubenskapelle".
Sie lädt zur Stille, zum Verweilen und zum Gebet ein.

Kapellenakzent-Dialog

Erzähle ich jemanden meine Befindlichkeit, klärt sich vieles in mir. Doch manchmal kommen mir die Worte im direkten Kontakt mit jemanden oft sehr schwer über die Lippen.
Die Minihof Marienkapelle bietet aufgrund der angeordneten Sitzmöglichkeiten etwas besonders an. Zwei gegenüber befindliche Sitzmöglichkeiten ermöglichen mir, einem fiktiven Menschen im Gegenüber meine Befindlichkeit erzählen zu können. So sitze ich da. Meine Hand ist während meiner Erzählung dem fiktiven Menschen zugewandt. Ich bringe meinen Standpunkt ein, meine Sichtweise weitet sich. Ohne meine Sitzposition zu verändern, geht mein Erzählen hin zur Marienfigur, die mit einer gewissen Leichtigkeit das Jesuskind im Arm hält. Meine Rederichtung, meine Handhaltung unterstützt diese Zugewandtheit. Durch das Einbeziehen einer „Dritten Größe“ geschieht möglicherweise eine Klarheit in mir, von der ich beseelt sein möchte. Der Perspektivenwechsel verändert viel in mir.
So kann es sein, dass Sie mit Unterstützung von dem Bild-Triptychon ins Erzählen kommen und dabei die Hand mitsprechen lassen.

Kapelle in Waldhof: Die Fischlkapelle

Die Fischlkapelle, wie sie in Waldhof liebevoll genannt wird, wurde von Fischl Hans aus Dankbarkeit an ein besonderes Ereignis 1982 neben seinem Anwesen erbaut. Einige Bürger aus Waldhof haben durch dingliche Spenden (Gitter, Kreuz) zum Gelingen der Kapelle beigetragen. Alle fünf Jahre gibt es ein Kapellenfest. Der Reinerlös vom Kapellenfest wird an Bedürftige der Umgebung gespendet. Die Landjugend von Waldhof initiiert jedes Jahr eine Maiandacht. Jedes Jahr ist die Fischlkapelle auch eine Fronleichnam-Station in der Pfarrgemeinde.

Kapellenakzent-Haltepunkte in meinem Leben

Haltepunkte im schmiedeeisernen Gitter sorgen für eine sichere Stabilität. 
Ich bediene mich eines solchen Haltepunktes. Ich umschließe mit einer Hand einen Haltepunkt im schmiedeeisernen Gitter mit Blick zur Marienfigur. Und siehe da, meine Erinnerung bietet mir Haltepunkte aus meinem Leben an. Haltepunkte, die mein Leben eine sichere Stabilität gegeben haben.
So kann es sein, dass auch Sie diese Übung mit Blick zur Marienfigur ausprobieren.
Ihre Erinnerung bietet Ihnen Haltepunkte aus dem Leben an.

Gebet als Haltepunkt im Leben

Maria, breit den Mantel aus,
mach Schirm und Schild für uns daraus;
lass uns darunter sicher stehn,
bis alle Stürm vorüber gehn.
Patronin voller Güte,
uns allezeit behüte.
 

Dein Mantel ist sehr weit und breit,
er deckt die ganze Christenheit,
er deckt die weite, breite Welt,
ist aller Zuflucht und Gezelt.
Patronin voller Güte,
uns allezeit behüte!


Maria, hilf der Christenheit,
zeig deine Hilf uns allezeit;
mit deiner Gnade bei uns bleib,
bewahre uns an Seel und Leib!
Patronin voller Güte,
uns allezeit behüte!


O Mutter der Barmherzigkeit,
den Mantel über uns ausbreit;
uns all darunter wohl bewahr,
zu jeder Zeit in aller Gefahr.
Patronin voller Güte,
uns allezeit behüte.

Auratik

„Auratik= "Aura (griech. aura – Luft, Hauch) kennzeichnet das Spezifische und die Einmaligkeit eines Kunstwerks, die bei der Wahrnehmung durch den Betrachter erfahrbar ist. … In der Kirchenraumpädagogik wird mit dem Begriff der Auratik angezeigt, dass diese im Unterschied zu einer ausschließlich distanzierten kunsthistorischen Erläuterung auf eine respektvolle spirituelle Erfahr- und Erschließbarkeit von religiösen Räumen abzielt. Somit rückt deren spiritueller Charakter deutlicher in den Mittelpunkt. Eine Erschließung auratischer Dimensionen setzt am Sinnlichen (sehen, hören, fühlen, riechen) an, ist ästhetisch durch Entschleunigung und Verlangsamung geprägt und bezieht auch spirituelle Elemente mit ein. Eine derartige Herangehensweise sensibilisiert für ein Gespür des Heiligen. (Literaturliste aus: Mendl 2019, 23)“ 
  Die Begegnung mit der jeweiligen Kapelle wird anfangs von Ihnen als neutral empfunden werden. Im weiteren Verlauf werden Sie im Dialog mit Kapelle, dem Tour-Thema und dem Kapellenakzent etwas Einmaliges in Ihnen erfahren. Die besondere Auratik der Kapelle verbindet Sie und das Kunstwerk! 

Max Plattner

Max Plattner (03.11.2025 verstorben) hat die Waldhof-RadKapellenTour entworfen und die Wegstrecke festgelegt. Es ist sein Verdienst, dass das RadKapellenTour-Team diese RadKapellenTour ausarbeiten konnte. Seine Geschichten zu verschiedenen Kapellen waren Grundlage für so manchen Kapellenakzent. Danke lieber Max.

Ideelle Unterstützer der RadKapellenTour-Waldhof

  1. Integrative Gestaltpädagogik in Schule, Seelsorge und Beratung - Bayern e.V.(IGB) - https://igb-bayern.de/
  2. Universität Passau-Lehrstuhl für Religionspädagogik und Didaktik des Religionsunterrichts, Prof. Hans Mendl
  3. Max Plattner, Waldhof
  4. Dr. Hans-Peter Eggerl, Künstler Passau, Logo von Hans-Peter Eggerl zur RadKapellenTour, https://www.deepbluesee.de

Literatur

  1. Mendl, Hans, Taschenlexikon Religionsdidaktik. Das Wichtigste für Studium und Beruf, München 2019.
  2. Mendl, Hans, Sitzberger, Rudolf, Raster Irene, Methodenkompendium. Kirchenraumpädagogik und Kirchenraumdidaktik, Passau 2020.
  3. Mündliche Überlieferungen von Max Plattner, Waldhof
  4. Die bayerischen Denkmäler, Denkmalliste
  5. Foto: J. Lugeder
  6. Kapellenakzente J.Lugeder
  7. Trachtenverein Pfarrkirchen: https://www.trachtenverein-pfarrkirchen.de/blog/hieronymuskapelle-auf-dem-griesberg